Pflegezusatzversicherung

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Zwar wurden die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung im Jahr 2015 verbessert, doch sie reichen nach wie vor nicht aus, um die Kosten der knapp 2,5 Millionen pflegebedürftigen Menschen in der Bundesrepublik zu decken. Somit kann angespartes Vermögen bei einem Pflegebedarf schnell aufgebraucht sein – es gilt sich rechtzeitig abzusichern. Immer mehr Personen in Deutschland sind im höheren Alter auf professionelle Pflegeleistungen angewiesen. Allerdings ist eine angemessene Versorgung teuer und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Behandlung stationär oder ambulant erfolgt. Als Teilkaskoversicherung übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung nur die Finanzierung der wichtigsten Maßnahmen – oft entsteht für den Versicherten eine Differenz von mehreren hundert, wenn nicht sogar von mehreren tausend Euro. Das kann schnell dazu führen, dass das Einkommen überstiegen wird und dass die Ersparnisse aufgebraucht werden müssen. Darüber hinaus sind im Fall einer mangelnden Zahlfähigkeit des Pflegebedürftigen die Kinder dazu verpflichtet für die Kosten einzustehen. Erst, wenn auch diese nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, springt der Staat ein.

Für wen ist eine Pflegezusatzversicherung relevant?

Aus dem Grund, dass eine Pflegebedürftigkeit jeden treffen kann – und zwar jederzeit und in jedem Alter -, ist die private Pflegezusatzversicherung im Prinzip für alle gesetzlich Versicherten relevant.

Diese Leistungen werden abgedeckt

Die Pflegezusatzversicherung wird entweder in Form des Pflegegeldes (wenn Familienangehörige den Pflegebedürftigen pflegen) oder als Kostenübernahme (bei stationärer oder ambulanter Pflege) erbracht. Dabei ist die Höhe der Leistung von der jeweiligen Pflegestufe abhängig. Aktuell bestehen drei Pflegestufen, die ab 2017 durch fünf sogenannte Pflegegrade ersetzt werden.
Leistungen, welche bei der Pflegezusatzversicherung hinzu gebucht werden können:
Aufgrund der Komplexität und des Umfangs der Antragstellung bieten viele Zusatzpflegeversicherungen Services an, die über die reine Versicherung hinausgehen. Somit sollen Betroffene schnellstmöglich beraten werden. Teil dieses Beratungsservices sind u.a. geeignete Pflegemaßnahmen sowie Informationen über Leistungen der Pflegeklasse und über Pflegestufen. Der Anspruch von Versicherten auf diesen Zusatzservice ist gesetzlich verankert.

Das sollte man vor Abschluss der Versicherung wissen

Im Voraus sollte man sich über die verschiedenen Varianten der Pflegezusatzversicherung informieren: Es gibt die Pflegetagegeldversicherung, die Pflegekostenversicherung sowie die Pflegerentenversicherung.

Pflegetagegeldversicherung

Bei der Pflegetagegeldversicherung wird dem Versicherten pro Tag eine vereinbarte Geldsumme ausgezahlt und zwar unabhängig davon, wie hoch die tatsächlichen Kosten sind. Die Höhe der Auszahlung richtet sich dann nach der Pflegestufe, der der Pflegebedürftige zugeteilt ist. Ein Vorteil dieser Variante ist, dass der Versicherte frei über das Geld verfügt. Ein Nachteil ist allerdings, dass das Risiko einer Kostensteigerung nicht abgesichert ist, d.h. wenn man zusätzliche professionelle Leistungen in Anspruch nehmen möchte, kann das Tagesgeld eventuell nicht ausreichen.

Pflegekostenversicherung

Bei der Pflegekostenversicherung werden die tatsächlich entstandenen Kosten erstattet. Allerdings nur bis zu einem gewissen Prozentsatz bzw. bis zu einem festgelegten Höchstbetrag. Die Kosten müssen per Rechnung nachgewiesen werden und je nach Tarif werden Unterkunft und Verpflegung übernommen oder müssen vom Versicherten selbst getragen werden. Ein Vorteil dieser Variante ist, dass sich die Erstattung der Kostenentwicklung anpasst. Zudem kann die Pflegekostenversicherung selbst bei Preissteigerungen die meisten Auslagen decken. Ein Nachteil ist wiederum, dass die Familienhilfe oftmals nur gering unterstützt wird.

Pflegerentenversicherung

Bei der Pflegerentenversicherung handelt es sich laut dem Bund der Versicherten (BdV) um eine unübersichtliche Kombination aus unrentablem Sparvorgang und Versicherungsschutz. Hierbei gibt es drei Möglichkeiten der Leistung: Altersrente ab dem 80. bzw. dem 85. Lebensjahr, Rente bei Pflegebedürftigkeit und Todesfallleistung. Dabei sind die Beiträge zu hoch und es macht mehr Sinn, lediglich das Pflegerisiko durch eine Zusatzversicherung abzuschließen und das restliche Geld selber anzulegen und für den Notfall parat zu halten.

Fallstricke der Pflegezusatzversicherung

Bevor man eine Pflegezusatzversicherung abschließt, sollte man die folgenden Punkte überprüfen und berücksichtigen:

  • Zahlt der Versicherer in allen Pflegestufen?
  • Werden häusliche und stationäre Pflege finanziert?
  • Im Fall der Pflege durch Familie oder Freunde sollten die erbrachten Leistungen nicht niedriger ausfallen als im Fall einer professionellen Pflege
  • Die Pflegezusatzversicherung sollte die von der Pflegepflichtversicherung ermittelte Pflegestufe übernehmen
  • Der Versicherer sollte auch die Stufe „Pflegestufe 0 / Demenz“ abdecken
  • Damit der zu Versichernde nicht den Versicherungsschutz verliert, sollte das Versicherungsunternehmen auf das ordentliche Kündigungsrecht im Zeitraum der ersten drei Jahre verzichten
  • Der Versicherungsnehmer sollte nicht auf eine dreijährige Wartezeit und Karenzzeit bestehen, da man im Pflegefall die Leistungen erst nach diesen Fristen erhält
  • Es sollten rückwirkende Leistungen möglich sein, d.h. wenn der Versicherte den Versicherungsfall nicht sofort, sondern im Zeitraum von sechs Monaten nach der Feststellung der Pflegebedürftigkeit durch einen Arzt meldet
  • Bei einem vorübergehenden Aufenthalt innerhalb der EWR und der EU sollte der Versicherungsschutz fortbestehen

Was kostet die Pflegezusatzversicherung?

Aus dem Grund, dass die Kosten für eine Pflegezusatzversicherung sehr unterschiedlich sein können, sollte man sich im Voraus umfangreich über die Angebote verschiedener Versicherungsanbieter informieren. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass neben dem Versicherungsumfang auch das Alter sowie der Gesundheitszustand die Höhe des Beitrages beeinflussen. So kann der Versicherer bei bestehenden Erkrankungen u.a. Risikozuschläge erheben. Seit dem Jahr 2012 spielt das Geschlecht dabei keine Rolle mehr – heutzutage kalkulieren die Versicherer geschlechterunabhängige Tarife.
Interessant ist zudem die Tatsache, dass es seit 2013 eine staatliche Förderung für den Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung gibt. Diese Förderung beträgt jährlich 60 Euro. Allerdings unterliegt die Beantragung dieser Zulage gewissen Voraussetzungen.

Kosten einer Pflegezusatzversicherung

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Dank einer privaten Pflegezusatzversicherung muss man sich keine Sorgen mehr um mögliche Pflegekosten machen, welche für ein Pflegeheim im Alter oder bei einer unerwarteten Pflegebedürftigkeit anfallen.

Wichtig ist, dass möglichst alle Pflegestufen und auch die Demenz in ausreichender Höhe abgedeckt sind. Außerdem ist relevant, was der Versicherer neben der monatlichen Geldzahlung bietet. Wenn der Versicherte z.B. pflegebedürftig wird und fortan keinen Beitrag mehr zahlen muss, obwohl die Leistungen regelmäßig steigen, ist das äußerst positiv.

Es gibt ein Widerrufsrecht, das 14 Tage lang gilt. Verträge, die man nicht behalten möchte, können also zwei Wochen lang nach dem Erhalt der Police widerrufen werden.

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